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Halloween

Nach langem Überreden-Lassen, folgte ich also Paul auf die Party. Paul ließ sich nicht lange Lumpen und verkroch sich mit seiner Schnecke, die eigentlich Ines hieß, heute aber ein Schmetterling war. Ich, stehengelassen, wankte ziellos durch die Räumlichkeiten der Wohnung. Schließlich traf ich auf die Bar, bekam ein Bier zu fassen und stellte mir eine Schnecke mit Schmetterlingsflügeln vor. Das geht nicht, denke ich, denn wo kommen denn die Flügel hin, wenn die Schnecke sich in ihr Haus verkriecht? Bei einer Nacktschnecke, allerdings, würde das schon eher funktionieren. Doch das sähe dann aus, wie glänzendes, rumfliegendes Stück Kot und nicht wie ein anmutiger Schmetterling. Plötzlich wurde ich von lautem Geschrei einiger sich auf dem Höhepunkt der Pubertät befindlicher Mädchen aus meinen Gedanken gerissen. Natürlich merkte ich sofort, dass nicht ich der Aulöser für diese Östrogenexplosion war, sondern Simon, der, hinter der Bar stehend und heute ganz grün angemalt, sich gewohnt stilsicher und pünktlich(Es war 23 Uhr) seines sowieso schon viel zu weit aufgeknöpften Hemdes entledigte. Ich suchte das Weite.

Als ich in das nächste Zimmer stolperte(Wer legt den Ballons auf den Boden?) begrüßte mich ein weiterer Partygast mit Luftschlangen(denen zum Pusten). Diese waren seltsam feucht und rochen nach einem Gemisch aus Vodka und Red Bull. Im Fersehen sagen sie immer, Schlangen sehen nur so glitschig aus, sind aber in Wahrheit trocken...naja. Nach genauerem Hinschauen stellte sich heraus, dass der feuchtfröhliche Luftschlagenspucker Tobias war und wir zwei Jahre lang zusammen Handball gespielt hatten. Hinter dem schwarzen Umhang, den spitzen Eckzähnen und seinem blutroten Mund hätte ich ihn fast nicht erkannt. Er erzählte mir von seiner Uni in Holland. Irgendwas Internationales mit Wirtschaft musste er dort studieren(Er benutzt einen englischen Begriff) und seine Uni sei "die beste dafür". Ich frage in mich hinein: "Die beste? Im ganzen Universum?" Ich schmunzele bei dem Gedanken, dass vielleicht auf dem Mars Elite-Wirtschafts-Krieger herangezüchtet werden, die sowas wie die Wirtschaftskrise zum Frühstück und Tobias mit seiner Uni als Snack zwischendurch verspeisen. "Alter, muss ich jetzt viel Lernen", holt mich Tobias wieder zurück die Realität des muffigen Zimmers mit schlechter Musik. "Ja, so ist das halt.", versuche ich möglichst wertneutral zu bleiben. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten, geschweige denn was ich sagen soll. Dabei kann ich mir den in meiner Erinnerung immer verschwitzen, grölenden, mit Bier vollgeschütteten Tobias überhaupt nicht in einer Universitätsbibliothek vorstellen. Er fragt zum Glück nicht mehr was ich gerade so mache und ich nutze die Gelegenheit des betretenen Schweigens, um mich unter dem Vorwand ich müsse "noch anderen Leuten 'Hallo' sagen" davon zu stehlen.

Nach soviel Zuhören war der Hals trocken und der Kopf leer. Ich hielt ein weiteres Bier für eine gute Idee und nahm Kurs auf die Bar. Simon, der scheinbar immernoch den Barkeeper spielte, warf mir jedoch nur einen leeren Blick von konzentrierter Angestrengung entgegen und reagierte nicht auf meine Bestellung. "Na gut", sagte ich, "dann hol' ich mir mein Bier eben selber" und drängte mich hinter die Bar. Beim Bücken nach dem Bierkasten erblickte ich den Grund für Simon's apatischen Bick in Form von Julia, die unter dem Tresen kniete und als Playboy-Bunny verkleidet war, für die schüchterne Julia eher untypisch, hier aber wohl passend. Ich nickte ihr zur Begrüßung kurz zu, griff nach der Bierflasche und schnellte nach oben.

Dabei konnte ich gerade noch einen Zusammenstoß mit  Sophie verhindern, die offenbar Ausschau nach einer Flasche Hochprozentigem gehalten hatte und soeben fündig geworden war. Wir kannten uns noch aus der 8ten Klasse, danach entschied sich ihr Vater für ein Internat in Bayern. Damals tottraurig, den Tränen nah, kommentierte Sophie die Entscheidung ihres Vater nun als "das Beste, was mir je passieren konnte". Sie wollte in den Bereich Medien gehen und am liebsten im Ausland arbeiten, später mal, nach dem Studium. "Die Kontakte, die ich auf der Schule geknüpft habe, werden mir beim Aufstieg auf der Karriereleiter noch viele Türen öffnen. Ich überlege mir, wie Sophie mit 10 anderen Schülern im Klassenzimmer eines bayersichen Schlosses sitzt und sich nach und nach eine Leiter zusammenknüpft, an deren Seite ab und zu Türen erscheinen. Vor diesen Türen stehen bedrohlich wirkende Männer in Anzügen und öffnen diese, oder eben auch nicht. Hinter einer Tür sieht man Tobias mit ein paar Wirtschafts-Monstern vom Mars kämpfen. Hinter einer anderen, die nur einen Spalt weit offen ist sieht man Sophie in ein Kopftuch gehüllt, in einem Krisengebiet in einer Wüste sitzend, wie sie die Regierung über das Fernsehen um die Bezahlung des Lösegeldes bittet. Hinter einer weiteren Tür sitzt Simon auf der Couch und schaut Nachrichten. Er sieht Sophie, greift nach der Fernbedienung und sagt: "Genau so, Schatz!" Die Worte sind Julia gewidmet, die vor der Couch kniet.

 

"Ich bin eine Fee", reißt mich Sophie aus meinem Traum, "und was bist du?"

"Ich", sage ich, "ich bin eigentlich nur ich". Dann gehe ich nach hause.

 

2.11.08 18:00, kommentieren

Deine Stadt

Deine Stadt ist eine Mühle , die anstatt Getreide, schon Mehl zwischen ihren riesigen Steinen hat.

 

Deine Stadt ist ein Stausee, dessen Damm keinen Druck auszuhalten hat.

 

Deine Stadt ist ein amerikanischer Bus zur Zeit vor Rosa Parks und Martin Luther King.

 

Deine Stadt ist ist wie Trinken ohne den Durst zu stillen.

 

Deine Stadt ist "House" -Musik.

 

Deine Stadt ein Parks, in denen keiner auf der Wiese liegen bleibt.

 

Deine Stadt ist ein Biergärten, in denen es kein Bier gibt.

 

Deine Stadt ist ein Auto groß wie Mondfahrzeuge, schnell wie der Blitz.

 

Deine Stadt ist Langweile in der Kirche.

 

Deine Stadt ist wie eine Fahrradhelm beim Schlafen tragen.

 

Deine Stadt ist  der Radiosender, der immer das gleiche Lied spielt.

 

Deine Stadt redet viel, sagt aber wenig.

 

Deine Stadt ist ein Krankenhaus, nur noch sauberer.

 

Deine Stadt ist eine Achterbahn ohne Looping.

 

Deine Stadt will Gewinner sein, achtet aber nicht auf die Verlierer in ihr.

 

Deine Stadt ist auch meine Stadt.

2.11.08 19:50, kommentieren

Dienstag, 4.11.08

Leben, oder leben lassen

fassen, was zu fassen geht

spät, oder nie, finden was gefällt

weltweit, muss man sicher sein

nur schein, jedoch das vorzuspielen

vielen menschen nicht mal graus

maus und katz, oder katz und maus

ein haus voller katzen, und ich

die einzige maus.

5.11.08 18:38, kommentieren

Kill you TV

Was will sie uns sagen,

die Kiste da in der Ecke?

Die Aldi-Nutella tut's auch

und man streicht erst am Ende die Decke?

 

Dass Politiker eh' immer lügen,

das wusst' ich auch so.

Regeln sind zum Brechen da

nud Fisch schmeckt auch Roh.

 

Wann soll ich lachen,

wann muss ich staunen?

In manchen Wohnzimmern schein viele Menschen zu sitzen.

Durch die Lautsprecher strömt staunen.

 

Wie gerne würde ich durch die Glasscheibe steigen

und das Gelächter dort drin

ganz einfach knick-knack, es dazu bringen zu schweigen.

 

ICH möchte wieder Herr sein

über Ideen und Gedanken.

Nicht mehr nur Plattform,

für das Medium der Geisteskranken.

 

Doch es fällt ach so schwer

das Drücken auf den kleinen roten Knopf,

denn rieselt es doch so einfach herab

auf meinen platzenden Kopf.

 

Berauscht von der Droge Konsum

scheine ich mir vorzustellen,

wie ich mich strecke,

das Fenster öffne, ihr einen Stoß gebe

und die sie beerdige.

Die Kiste - da in der Ecke.

1 Kommentar 20.11.08 20:15, kommentieren

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